Es wäre wohl ein wenig untertrieben, wenn ich euch erzähle, dass ich die letzten 4 Stunden nur realtitätsnahe Fieberträume ausgestanden habe.
12.30 Uhr: Von einem klausurgeprägten Schultag gestresst, lege ich mich in mein Bett und werfe das gute alte “Axolotl Roadkill” Hörbuch an. Nicht wenige Minuten dauert es, bis ich weggedöst bin und gar nichts mehr peile. Als ich dann so langsam anfange zu träumen, finde ich mich auch in meiner Traumwelt, in einer warmen Decke eingewickelt in meinem Bett. Ich stehe auf, bewege meinen viel zu dürren Körper lethargisch die zwei Stockwerke bis ins Erdgeschoss und bemerke erst jetzt, dass es draußen schon Nacht ist. In meinem Schlafzimmer sind die Jalousien ja immer unten & ich erinnere mich an Jugendtage, in denen ich mir bei gutem Wetter des Öfteren auch die Mühe gemacht hatte, sie aufzumachen. Verzweifelterweise suche ich eine Uhr, oder irgendetwas um die momentane Uhrzeit auszumachen, werde aber nicht fündig. Ich weiß nicht warum, aber irgendeine beschissene, nicht greifbare Macht, zwingt mich dazu in die neuen Boots ausm New Yorker zu schlüpfen und auf Entdeckungstour zu gehen und finde mich kurze Zeit später auf meine Fahrrad wieder, in einem Teil des kleinen Dorfes, der in der Realwelt nicht existiert – oder mir zumindest nie aufgefallen ist. Ich fahre durch die Straßen und alle Häuser glitzern & funkeln, als wären sie nagelneu. Vielleicht wurde dieser Teil des Dorfes binnen der letzten Tage aus dem Boden gestampft, ohne mein Wissen oder gar Zutun? Vielleicht habe ich davon in meinen angewichsten Egoismus tauchend nichts mitgekriegt. Ein See aus Sperma, verschliesst meine Ohren & macht mich für die Umwelt taub. Nach einer kurzen Zeit finde ich mich in der Einfahrt eines besonders edlen Gebäudes, an der Tür steht “50 cent” und noch auf der Treppe vor der Haustür beginne ich freiweg zu masturbieren & selbst als mir ein kleines maximal pigmentiertes Kind die Tür öffnet, nachdem es mich in seiner kindlichen Unachtsamkeit schon mindestens 5 mal übersehen hat, höre ich nicht auf und wichse skrupellos weiter. Lediglich als man echauffierte Schreie des Vaters aus dem Wohnzimmer dringen hört, schwinge ich mich zurück auf mein Fahrrad und fahre nach anfänglicher Hektik gemächlich nach Hause um auf meiner Terasse erstmal gemütlich eine zu rauchen. Ich lasse sämtliche Türen deren Bogen ich auf dem Weg zur Terasse durchschritt offen und als meine Zigarette noch nichtmal halb aufgeraucht ist, höre ich ein Klopfen und verschiedene leise Rufe, die mein Sprachzentrum auf unerklärbare Weise immer wieder in ein “Hallo?” umsetzen kann. Nachdem ich das Licht im Wohnzimmer anmache, stelle ich fest, dass es die Mutter einer asiatischstämmigen Mitschülerin ist, die nur gebrochen Deutsch spricht, von der ich jedoch nach etlichen Versuchen mitgeteilt bekomme, dass sie enormen Streit mit ihrer Tochter hat. Ich bitte sie, sich zu setzen und mir alles in Ruhe zu schildern, doch statt mich auch zu setzen, greife ich die sündhaft teuere Anrichtplatte meiner Mutter, hole aus und schleudere sie der Frau direkt mit der Kante auf ihr rechtes Jochbein, welches unter lauten “Knack”-tönen sofort kapituliert.
“Scheiße, Alter! Wenn ich irgendjemandem erzähle, was für nen echauffierenden Film mein Kopfkino jeden Tag fährt, würde mich derjenige instant in die nächste Nervenheilanstalt einweisen lassen.”, sage ich, ”Bevorzugt mit einer dieser wahnsinnig kuscheligen Jacken, auf denen in großen Buchstaben in Courier New “ICH-HAB-MICH-SELBST-LIEB” steht. Aber bitte mit imaginärem knuffigen Pelzinnenfutter.”, führe ich weiter aus. Vermutlich bin ich ein Pessimist… - Nein, nicht vermutlich – eher definitiv. Vermutlich, aber, bin ich Misanthrop.
Eigentlich denke ich, dass jeder, wirklich jeder, Mensch durch seine gottgegebene Würde einen Moment voll von vollkommener Glückseeligkeit verdient hat. Einen Moment, indem das Schutzschild aus Desinteresse & Lethargie aufreisst & das Licht der Welt herein lässt. Irgendeine masochistische Maschinerie hat mir diesen Moment jedoch bisher immer verwehrt, obwohl ich eigentlich immer – und vor allem in letzter Zeit -alles in meiner pisskleinen Macht stehende getan habe, damit zumindest andere diesen Moment erleben? Das einzige was mir in letzter Zeit einen kleinen Funken Hoffnung gibt, der dafür sorgt, dass ich jeden Tag wieder aufstehe & versuche mein Abitur runterzureissen, ist …
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht warum ich jeden Tag wieder aufstehe & mir diesen ganzen hingerotzten sozialpädagongischen Schwuchtelscheiß antue. Wofür das ganze? Ich bin doch eh tot, bis ich 25 bin. Wenn’s die Pumpe bis 30 macht, ist das auch okay. Besser spät als nie.
Zu allererst: Ja, ich weiß – Es sieht so aus als wär der Typ (oder sinds mehrere?!) nur am Schnitten fotografieren, aber das ist er nicht. Unter lastnightsparty.com findet man genügend Bilder, eventweise kategorisiert, die das Gegenteil beweisen: Abgefuckte Leute, geile Partys, Turntables, Alkohol, Brüste, High Heels, Prêt-á-Porter-Mode & vieles mehr. Das ganze ist definitiv mal einen Besuch wert.
PS: Auch wenn ich nur solche Schnitten fotografieren müsste, wär das kein Problem :>
Wer mich kennt, weiß dass ich mich normalerweise gepflegt aus solchen Themen raushalte & ich mich still und leise von solchen Hypes distanziere, aber das was zur Zeit abgeht, ist bei weitem nicht mehr schön & nur noch übertrieben. Frittenbude hier, Frittenbude da. Und das nicht erst seit gestern. Hauptsache Mainstream, hauptsache mit dem Strom schwimmen & alles noch weiter hochjubeln als es in den Medien getan wird.
Ich erzähl euch mal eine Geschichte von mir & Frittenbude: Wir schreiben das Jahr 2007, ich bin junge 17 Jahre alt & in Geisenhausen in der Nähe von Landshut steht das Bunte Zeiten Festival an, das bis heute das kleinste Festival ist, auf dem ich je war. Wie es mittlerweile aussieht, weiß ich nicht mehr, ich war seitdem nicht mehr dort. Eigentlich bin ich dort nur wegen Großstadtgeflüster hingestartet, aber man kuckt ja auch wer sonst so spielt – vor allem wenn Klänge wie die von Frittenbude aus nem kleinen Zirkuszelt dröhnen. Gemütlicherweise vor dem Zelt am großen Lagerfeuer gechillt & auf Großstadtgeflüster gewartet. Schön & gut. Ich glaube, dass sich damals nichtmal 20 Leute aktiv angehört haben, was die Jungs von Frittenbude da fabriziert haben. Der Rest des Abends war eigentlich auch ganz geil, aber darauf will ich ja auch gar nicht hinaus.
Um auf den springenden Punkt meiner Story zu kommen, muss ich nochmal etwas weiter ausholen: Wie gesagt, war ich zu der Zeit noch nicht volljährig, bin dort also mit W. hingestartet, auf dessen Auto’s Rückbank ich hätte pennen sollen. W. hatte sich dann allerdings im Vorfeld mit Gras und Alk schon dermaßen weggeballert, dass er gegen 02:00 Uhr morgens auch durch ein von vier Personen erzeugtes Rütteln am Auto nicht mehr wachzukriegen war. Scheißkalt wurd’s langsam, also weiter am Lagerfeuer rumlungern, damit mir wenigstens nicht kalt wird – Geld für Bier war natürlich auch alle. Jägermeister auch. Als ich dann um 04:00 morgens noch am Parkplatz völlig verstrahlt rumgerannt bin, wurd ich erstmal von Großstadtgeflüster um Gras angeschnorrt. Auch keins mehr da. Scheisse. Schade. Egal. Kurz drauf wurd ich von irgendwelchen verplanten Gestalten angehauen, ob ich nicht Lust hätte bei Ihnen in der Wohnung einen rauchen zu gehen. “Naja, warum nicht? Kälter wirds schon nicht sein”, dachte ich mir und bin mit. Einen geraucht, eingepennt und um 6 wieder aufgewacht. Als ich dann wach wurde, war das erste woran ich mich erinnern kann, dass zu meiner Linken ein – geschätzt – 50 Jahre alter Mann mit nem kleinen Pfeifchen in der Hand saß und gemütlich rauchte. Erst nach ungefähr 15 Minuten im Wachkoma und mehrmaligem anstubsen realisierte ich, dass derjenige zu meiner Rechten, der mir grade einen offensichtlich relativ frischen Joint anbot, der Sänger von Frittenbude war und gerade wahnsinnig philosophische Unterhaltungen über Mainstream, Idolization & Populärität führte. Ich erinnere mich noch genau an folgende Worte: “Mein höchstes Prinzip ist, dass ich lieber nur echte Fans habe. Scheiße, Alter, du raffst das grade gar nicht. Du machst keine Musik. Aber lieber hab ich nur 10 Menschen vor mir, die wirklich was mit meiner Musik anfangen können oder zumindest drauf abgehn, als lauter solche Mainstreamspasten, die sich ihren Geschmack von der Obrigkeit diktieren lassen!”
Mal davon abgesehen, nehm ich Leute eigentlich nicht für voll, die als Geburtstagsgeschenk LSD anbieten.